Morgen,
nach dem ich eine, mehr oder minder freiwillige, Pause eingelegt habe, gibts heute mal wieder was zu lesen. es geht um die Kornkammer Thüringens, die gestern für 15 Minuten meine Umgebung war…
15 Minuten Aufenthalt in Altenburg. Der Regionalexpress von Gera über Ronneburg fährt in den Altenburger Bahnhof ein. Vor einer Stunde lief ich noch bei schönstem Sonnenschein durch das Gessental nach Ronneburg, die Vögel zwitscherten, das rostbraune Wasser plätscherte den Bach entlang und das ehemalige BUGA-Projekt „Neue Landschaft Ronneburg“ schickte sich an ein paar grüne Blätter entstehen zu lassen. Doch nun habe ich Aufenthalt in Altenburg. Fünfzehn Minuten, genug Zeit um sich eine Fahrkarte zu ziehen und eine Zigarette zu rauchen die von der tristes des Bahnhofes ablenkt. Ich bin ein wenig aufgekratzt was wohl an meiner nachdenklichen Stimmung liegt die mit diesem Endbahnhof kollidiert. Altenburg ist nur für die Geraer Linie ein Endbahnhof, ansonsten verkehren hier sogar Elektrozüge von Zwickau nach Leipzig die beide zu Metropolregionen gehören, nur irgendwie scheint Altenburg davon nichts abbekommen zu haben. Es stehen mehrere Leute auf den Bahnsteig. Ein Vater mit seinem dreijährigen Sohn den die Bahn fasziniert, ein Technohörer der wohl gerade ein Pille eingeworfen hat und ganz aufgeregt den Bahnsteig entlang hastet und wieder zurück, sowie ein paar Nazis deren Blick ich geschickt ausweiche. Natürlich haben sie um vier Uhr nachmittags ein Bier in der Panke mit der Aufschrift „Sternburger Export“ was mich ein wenig verwundet. Aber Sterni ist nun mal günstig und wird soeben auch von Arbeitslosen, prügelnden Nazis gesoffen.
Die verrosteten Stahlträger tragen seitlich Elektrokabel die in Verteilerdosen enden, welche den Anschein erwecken, älter als die Greifensteine zu sein. Von ihrer Einprägung lässt sich noch VEB EAW mit viel Mühe erkennen. Das Bahnhofsvordach des anderen Bahngleises fehlt zur Hälfte. Das darunter liegende Eisengerüst scheint sich nach einer Kopfbedeckung zu sehnen und eine kleine Rangier-Lok mit der Aufschrift „Dai-Lei“ steht etwas verlassen auf dem Abstellgleis.
Über den metallenen Sitzbänken die dazu da sind sich den Gluteus Maximus abzufrieren hängt ein Plakat mit der Aufschrift „Altenburg reizt…“, es soll daran erinnern das dass deutsche Skat-Gericht seinen Sitz in Altenburg hat wo das Spiel auch erfunden wurde. Im Moment reizt es eher meinen Magen der sich eine orale Ejakulation wünscht um diesen Bahnhof zu verschönern. Auf Dem Plakat sind zwei Leute in sächsisch-Altenburger Landestracht zu erkennen. Mit ihren grün bilden sie eine Abwechslung zum geschwärztem Lack auf den verrosteten Stahlträgern. Der Kontrast allerdings überlastet die Augen so stark, dass man nichts anderes tun kann um sich mit einem Stirnrunzeln abzuwenden.
Auf der anderen Seite sind allerdings Blaulackierte NACCO-Transportwagen zu erkennen welche entweder restauriert oder neu hergestellt wurden. Wenigsten eine Blüte in einer ansonsten mit Umweltgiften belasteten Umwelt.
Die folgenden Bahnhöfe erwecken nicht gerade Zuversicht. Böhlen und Markkleeberg stehen in Sachen Traurigkeit mit schrägen Bahnsteigplatten dem Altenburger Bahnsteig in nichts nach. Auch verändern sich die Farben kaum. Wahrscheinlich muss jede Woche auf dieser Strecke das Zugpersonal komplett ausgetauscht werden, da es ansonsten beginnt an Depressionen zu leiden. Selbst Leipzig Connewitz versprüht noch den alten DDR-Charme, nur die neue graue Bank wirkt im Gegensatz zum Bahnhof ein wenig deplatziert.
Zwar wurde Ronneburg zu einem Bahnhalt degradiert, was aufgrund der geringen Anzahl von Fahrgästen verständlich ist, wirkt aber mit der Schutthalde gegenüber wahnsinnig attraktiver als diese Bahnhöfe hier.
Erneuter halt in Leipzig-Stötteritz. Ein Metallgestell fehlt hier vollkommen, dafür ist eine Holzkonstruktion angebracht die den Eindruck erweckt, das sie noch aus Zeiten des 3. Reiches stammt… wo sind denn nur die blühenden Landschaften geblieben? Wahrscheinlich sind sie untwegs falsch abgebogen.
Bilder kommen eventuell demnächst